Wie lese ich einen Stromlaufplan?

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Immer wieder zeigt sich, daß viele keinen Stromlaufplan lesen können... oder glauben es nicht zu können. Wie immer gilt: Wer lesen kann ist klar im Vorteil :D Ein Stromlaufplan ist bei Autos die nach 1975 entstanden sind deutlich Umfangreicher als davor. Davor passte so ein Plan auf die Rückseite eines „Jetzt helfe ich mir selbst“, beim 2000er Golf 4 umfasst ein solcher locker 200 Seiten.

Der VW Käfer zum Beispiel:

Slp kaefer.jpg


Damals hießen die Dinger noch Schaltpläne... dazu gehört auch immer noch eine Tabelle in welcher die einzelnen Buchstaben erklärt werden oft unter dem jeweiligen Schaltplan, bei umfangreicheren dann auch auf Extra-Seiten. Unten ist immer die Masse abgebildet, also die unterste waagerechte Linie, darüber die Kabel schön farbig und die entsprechenden Bauteile. Das klappt seit den 80er Jahren nicht mehr, da es immer mehr Kabel und Farben wurden und dadurch Überkreuzungen etc sich häuften und das ganze zu unübersichtlich wurde.

Beim Corrado G60 sieht das dann so aus:

Slp g60.jpg

Auch hier: unten waagerecht die Karosseriemasse. Darunter Zahlen, welche die Stromlaufpfade kennzeichnen, fortlaufend durchnummeriert.

Schauen wir mal in Pfad 1 von unten nach oben geschaut ein dünner schwarzer Strich ohne jede Bezeichnung: eine direkte Masseverbindung ohne Kabel, darüber ein Bauteil C und C1... was ist denn das ?

Ein Blick in die Tabelle (s.u.) mit den Bezeichnungen zeigt uns:

  • C = Drehstromgenerator und
  • C1 = Spannungsregler

Und dahinter steht auch in welchem Stromlaufpfad man das Ding findet. Die Lima ist ja auch direkt mit dem Motor verschraubt und hat deshalb kein Massekabel, deshalb die dünne Linie unten zur Masse, da ja Massekontakt direkt hergestellt wird.

Schauen wir mal in Pfad1 weiter nach oben : Da steht klein D+ in dünner Schrift und kennzeichnet den Anschluß D+ an der Lima. In den allermeisten Fällen steht dieses Zeichen auch auf den betreffenden Bauteilen. An D+ hängt dann also ein Kabel welches zu einer Verbindung T1a geht. Schauen wir unten in die Tabelle, sieht man: Steckverbindung 1-fach in der Nähe der Batterie

T ist immer eine Steckverbindung, die Zahl danach zeigt die Anzahl der Pole die diese hat und danach folgt ein Index welcher die Stecker quasi durchzählt.

T1b ist also auch ein 1-poliger Steckverbinder, der aber woanders sitzt.

Weiter in Pfad1 nach oben: da steht 0.5 bl, was bedeutet, das Kabel hier hat einen Querschnitt von 0,5mm² und die Farbe ist blau (die Abkürzungen stehen auch neben dem Plan und sind genormt).

Ganz oben, meist leicht grau eingefärbt ein waagerechter Balken welcher die ZE / Zentralelektrik darstellt. Alles was auf dieser grauen Fläche dargestellt ist findet sich auf oder in der ZE. Hier sehen wir, dass das blaue Kabel am Steckkontakt F3 der ZE angeschlossen ist. Der Corrado hier hat die neue ZE, am Cab siehts etwas anders aus, das Prinzip ist aber dasselbe.

Slp ze.jpg

Steckplatz F ist gekennzeichnet und die einzelnen Kontakte durchnummeriert. Auf den Steckergehäusen findet man auch einzelne Zahlen, die restlichen Kontakte findet man durch zählen :).

In der ZE sehen wir die Verbindung von F3 zu A2/1 und weiter zu U2/12 und nochmal weiter zu D1. Elektrische Verbindung ist nur da wo ein Punkt die Leitungen verbindet. Es besteht also keine Verbindung zu Z2 und Y/3!!!!

Schauen wir mal weiter: An D1 ist nichts angeschlossen, aber an U2/12 ein Kabel blau in 0.35mm² und dieses geht zu... hmmm eine 94 in einem Rechteck??? Wenn wir senkrecht nach unten schauen, sehen wir, daß wir in Stromlaufpfad 5 sind. Diese 94 zeigt an, in welchem Stromlaufpfad es weitergeht !!! Wir suchen uns also die Seite mit dem Pfad 94:

Slp g60 2.jpg

Hier finden wir ein Rechteck mit 5 drin, hier geht also das gerade beendete Kabel weiter nach unten zu einem Teil J185. Die Tabelle zeigt uns, das dieses das Kombiinstrument mit Tacho etc. ist. Das Kabel geht an Klemme T28/16 am Tacho T28 ist eine 28-fach Verbindung (s.o.). Innerhalb des Tachos geht das Kabel zu K2 welches als Kontrollampe für den Generator bezeichnet ist - macht auch irgendwie Sinn, wenn wir nachdenken wo das Kabel herkam :)

Zurück zu Pfad 2 :)

Dort sehen wir oberhalb von C eine Klemme B+ daran ein Kabel in 10mm² sw geht zu Stromlaufpfad 6. Die Unterbrechungen sind nur eingezeichnet um zu verdeutlichen, das es keine elektrische Verbindung zu den gekreuzten Kabeln gibt.

Merke: Eine Verbindung ist immer mit einem Punkt markiert !!!!

Das Teil wo das Kabel endet nennt sich B und hat die Klemmen 30 und 50 und ist offenbar mit Masse verschraubt/verbunden (dünner Strich ohne Angaben zur Masse).

B ist laut Index der Anlasser. Das gerade verfolgte Kabel geht an Klemme 30 von B. Klemme 30 ist am Auto immer Dauerplus, also eine direkte Verbindung zum Pluspol der Batterie, was man hier auch klar sehen kann durch das Kabel mit 16mm² Querschnitt welches zu Pfad 4 zu Klemme + von A geht - und A ist die Autobatterie.

Da geht von + noch eine weitere Leitung rot 6mm² zur ZE an Y/3 und inerhalb der ZE an eine der oben waagerechten Linien mit der Bezeichnung 30. Diese Linie zieht sich durch die gesamte ZE und alle anderen Linien die davon abgehen hängen also an Dauerplus (30). Zum Beispiel in Pfad 9 die rote 4mm² an H1/2 zu dem Gerät D welches den Zündanlassschalter markiert.

An D gibt’s eine Klemme 50, dort geht ein ro/sw Kabel ab (rot mit sw Strich) welches nach rechts abknickt und mit a endet. Da wir dort in Pfad 14 sind, finden wir a auf der rechts daneben liegenden Seite wieder, also bei Pfad 15:

Slp g60 3.jpg

...Tatsächlich ! :) Dieser geht offenbar an die ZE H1/1 und innerhalb der ZE nach links und rechts weiter und ist auch mit 50 markiert.

Schauen wir mal nach links, also eine Plan zurück (Pfad14):

Dort finden wir die 50 auch wieder und geht zu Klemme X/1 und F/1 der ZE. An X/1 hängt nichts. An F/1 geht ein Kabel weiter zu B (Anlasser) Klemme 50. Das macht Sinn... wenn man den Zündschlüssel dreht bekommt Klemme 50 Saft und der Anlasser startet :)

An F1 geht noch eine gestrichelte Linie ab, dort steht aber "nur bei Automatik", das interessiert uns jetzt nicht.

Genau so verfährt man bei allen anderen Leitungen. Der Corrado-Plan hat etwa 20-30 Seiten. Ein Golf 4 wie schon erwähnt einige hundert Seiten. Beim Golf 1 ist es noch überschaubar mit etwa 8 Seiten (2H).

Ich habe zur Erklärung den Corradoplan benutzt, weil die Teilebezeichnungen direkt bei den Stromlaufplänen stehen. Beim 2H Schaltplan sind es Extra-Seiten die es hier unübersichtlicher gemacht hätten.

Für Anfänger: alle mal ausdrucken und aneinanderkleben :)

So, ich hoffe dieser Kleine Kurs bringt den einen oder anderen etwas weiter :)


Referenzen & Weblinks


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